flechten


flechten

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flech|ten ['flɛçtn̩], flicht, flocht, geflochten <tr.; hat:
Haarsträhnen, Blumen, Weidenruten o. Ä. ineinanderschlingen und auf diese Weise etwas herstellen:
einen Zopf, einen Kranz, einen Korb flechten.
Syn.: binden.

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flẹch|ten 〈V. tr. 135; hat
1. durch regelmäßiges Verschränken verknüpfen
2. 〈fig.〉 einstreuen, einfließen lassen (in ein Gespräch, eine Rede)
● Blumen zu Kränzen \flechten; das Haar zu Zöpfen \flechten; Körbe, Rohrstühle \flechten; jmdn. aufs Rad \flechten (als Strafe im MA) [<ahd. flehtan <germ. *fleht- <vorgerm. *plekt-, zu idg. *plek-; Erweiterung von *pel-; verwandt mit Flachs, falten, Flasche]

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flẹch|ten <st. V.; hat [mhd. vlehten, ahd. flehtan, verw. mit gleichbed. lat. plectere]:
a) mehrere Stränge o. Ä. aus einem biegsamen Material regelmäßig ineinanderschlingen:
die Haare zu einem Zopf f.;
ich flocht mir ein Band ins Haar;
b) durch Ineinanderschlingen von biegsamem Material herstellen:
einen Korb f.

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Flechten,
 
Lichenes, blütenlose Lagerpflanzen mit mehr als 20 000 Arten in etwa 400 Gattungen, die eine Lebensgemeinschaft (Symbiose) zwischen Grün- oder (seltener) Blaualgen (Cyanobakterien) und Pilzen (Schlauch- oder Ständerpilzen) darstellen. Der Pilz (Mycobiont) versorgt die Alge mit Wasser und Nährsalzen, während die Alge (Phycobiont, Photobiont) die organischen Nährstoffe durch Photosynthese bildet. Die an der Flechtenbildung beteiligten Pilzarten kommen nie frei vor. Dagegen sind die Algenarten durchaus ohne den Pilzpartner lebensfähig (wenngleich sie nur sehr selten frei vorkommen).
 
Die Symbionten bilden einen dauerhaften Thallus, der eine morphologisch-anatomische und physiologische Einheit darstellt. Äußerlich ist die Doppelnatur der Flechten nicht erkennbar. Sie wurde daher auch erst 1860 von S. Schwendener entdeckt. Die Formgebung erfolgt meist durch den Pilz, in dessen Hyphen die Algen eingebettet sind. Diese sind regellos im Thallus verteilt (homöomere Flechten) oder auf eine bestimmte Schicht beschränkt (heteromere Flechten). Nach der äußeren Gestalt unterscheidet man Krustenflechten (Thallus flach; fest mit dem Untergrund verwachsen), Laubflechten (blattartiger Thallus; nur mit Haftorganen mit dem Untergrund verbunden oder lose darauf liegend), Strauchflechten (strauchartig verzweigter Thallus).
 
Die Vermehrung kann sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich erfolgen. Zur geschlechtlichen Fortpflanzung ist nur der Pilz fähig. Er bildet Fruchtkörper aus, die in ihren Grundmerkmalen mit denen frei lebender Schlauch- oder Ständerpilze übereinstimmen. Die ausgeschleuderten Sporen keimen zu normalen Pilzhyphen aus. Diese müssen, um überleben zu können, (zufällig!) auf geeignete Algen treffen. Wesentlich effektiver ist daher die ungeschlechtliche Vermehrung, bei der sich die Flechtenpartner »gemeinsam« fortpflanzen. Dies geschieht durch sich leicht ablösende, kleine, kugelige Auswüchse am Flechtenthallus (Isidien; enthalten sowohl Algen als auch Pilzhyphen) oder durch von Pilzhyphen umsponnene Algenzellen (Soredien), die an bestimmten Stellen (Soralen) des Thallus gebildet und freigesetzt werden.
 
Wegen ihrer Anspruchslosigkeit kann man Flechten überall finden. Ihre Verbreitung reicht vom Hochgebirge bis in die Brandungszone, von den Tropen bis zu den Polen. Flechten sind v. a. in den kalten Regionen vegetationsbestimmend (sind sehr kälteresistent; können meist bis weit unter dem Gefrierpunkt Photosynthese betreiben) und bilden dort häufig eine wichtige Nahrungsquelle. Daneben sind Flechten wichtige Erstbesiedler, die die Grundlage für weitere Organismen bilden. Bestimmte Flechten können durch Abscheidung von Säuren die chemische Verwitterung des Gesteins fördern und somit die Ansiedlung von Moosen und höheren Pflanzen ermöglichen. Weitere Inhaltsstoffe von Flechten haben weite kulturelle und industrielle Anwendung gefunden. Die aus Flechten gewonnenen Kohlenhydrate, z. B. Lichenin (Moosstärke), werden als Gelatinierungsmittel verwendet. Aus den Rentierflechten gewinnt man die Vitamine A, C und D. Einige Flechtensäuren (z. B. die Usninsäure) haben pharmakologische Bedeutung (Antibiotikum); eine weitere, die Vulpinsäure (z. B. in der Fuchsflechte), wurde einst als Gift gegen Wölfe und Füchse benutzt. Einige Flechten produzieren Duftstoffe, die schon im alten Ägypten zum Einbalsamieren der Pharaonen bekannt waren und bis heute in der Parfümproduktion (z. B. das Eichenmoos, Evernia prunastri) verwendet werden. Einige Arten (so genannte Farbstoffflechten; besonders Roccella- und Ochrolechia-Arten) wurden im 18. und 19. Jahrhundert vielfach zur Färbung tierischer Fasern (Seide, Wolle) verwendet und gehörten damals zu den wichtigsten Farbstofflieferanten. Heute noch verwendete Farbstoffe sind z. B. Orseille und Lackmus. Flechten sind zudem Hilfsmittel in der Wissenschaft. Aufgrund ihres langsamen Wachstums (die ältesten Flechten sollen 4500 Jahre alt sein) lassen sich mit ihrer Hilfe Datierungen von Steinfiguren vornehmen (Lichenometrie). In neuerer Zeit werden Flechten wegen ihrer Empfindlichkeit gegenüber Luftverunreinigungen als Bioindikatoren verwendet. - Weitere bekannte Flechtenarten sind z. B. Isländisches Moos, Mannaflechte.
 
 
A. Henssen u. H. M. Jahns: Lichenes (1974);
 H. M. Jahns: Farne, Moose, F. Mittel-, Nord- u. Westeuropas (41995).
 

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flẹch|ten <st. V.; hat [mhd. vlehten, ahd. flehtan, verw. mit gleichbed. lat. plectere]: a) mehrere Stränge o. Ä. aus einem biegsamen Material regelmäßig ineinander schlingen: die Haare zu einem Zopf f.; du flichtst, sie flicht die Blumen zu einem Kranz; ich flocht mir ein Band ins Haar; Ü wenn der Mond einen Silberstreifen in die Rauchschwaden flocht (Fries, Weg 198); Witze in vulgärem Geschmack ..., die er ins Gespräch flocht (einfließen ließ; Th. Mann, Krull 40); b) durch Ineinanderschlingen von biegsamem Material herstellen: einen Korb f.

Universal-Lexikon. 2012.

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